Kammer verweist auf Schwierigkeiten

Statt Schließung: Förderverein für Apotheke

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Berlin -

Mit 67 Jahren ist es für Johanna Haag Zeit für den Ruhestand. Die Inhaberin der Wasserschloß-Apotheke in Inzlingen sucht eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger für ihren Betrieb. Weil das nicht leicht ist, will die Gemeinde mithelfen. Eine Idee: Einen Förderverein gründen, das Gehalt der neuen Chefin oder des Chefs subventionieren und dadurch die Apotheke im Ort behalten. Die Landesapothekerkammer Baden-Württemberg (LAK BW) äußert Bedenken und will sich dazu mit der Gemeinde austauschen.

Seit 33 Jahren führt Haag die Wasserschloß-Apotheke – eine typische Dorf-Apotheke. Einen Investitionsstau gebe es aber nicht, betont sie. Das Labor sei neu und auch ein Abholautomat für die rund 2500 Einwohnerinnen und Einwohner installiert. Was jedoch dringend fehlt, sei eine Nachfolgerin oder ein Nachfolger.

Einwohnerzahl kritisch

Innerhalb der Familie gibt es eine Pharmazeutin, doch diese möchte lieber in die Industrie. Dabei sei Inzlingen eine „schöne Ecke“, betont Haag. „Man kann viel aus der Apotheke machen.“ Natürlich weiß sie um die Defizite. Allein wegen der Einwohnerzahl sei das Geschäft „schon immer etwas kritisch“ gewesen. Doch genug Umsatz sei vorhanden. Im Ort gebe es eine hausärztliche Praxis und einen Zahnarzt.

Um den Apothekenbetrieb zu sichern, soll ein Förderverein gegründet werden. Die Gemeinde ist derzeit dabei herauszufinden, ob genug Unterstützerinnen und Unterstützer zusammenkommen. „Die Anteilnahme der Bevölkerung ist groß.“ Aktuell sei man dabei, die ersten Rückmeldungen zum Verein auszuwerten. Wichtig sei, es gehe nicht darum, die Apotheke fremdzufinanzieren.

Verein soll Inhaber finanziell aushelfen

Der Förderverein solle die neue Inhaberin oder den neuen Inhaber finanziell unterstützen, erklärt Bürgermeister Marco Muchenberger. „Die Apotheke wird normal übernommen und bleibt inhabergeführt.“ Der Verein könne einspringen, wenn das Gehalt der Chefin oder des Chefs unter dem durchschnittlichen Lohn einer angestellten Apothekerin oder eines Apothekers liege. Dies müsse anhand der Geschäftszahlen nachgewiesen werden. „Wie genau die Zahlungsintervalle laufen werden, ist noch offen.“

Kammer will in Dialog gehen

Bei der Apothekerkammer meldet man Bedenken an. Die Umsetzung durch einen Förderverein erscheine unter diesen Rahmenbedingungen „eher schwierig“, sagt eine Kammersprecherin. Allerdings kenne man nicht die konkreten Pläne. „So richtig vorstellen können wir uns auch nicht, wie das ablaufen kann.“ Deshalb bietet die Kammer dem Bürgermeister ein Gespräch an, um sich über die Idee auszutauschen.

Dieser Ansatz sei eine erste Idee, so Muchenberger. Wie genau die Unterstützung laufen werde, sei noch offen. Der Förderverein soll nicht dauerhaft an der Seite der Apotheke stehen, sondern den Start ermöglichen. Momentan seien drei Jahre im Gespräch. Man könne auch die Wohnkosten übernehmen, sagt die Inhaberin. Aktuell würden Interessenbekundungen eingesammelt und ausgewertet. Zur Gesundheitsversorgung im Dorf gab es Anfang des Monats einen Informationsabend für Bürgerinnen und Bürger. Dabei wurden die Situation der Apotheke sowie die Vereinspläne vorgestellt.

Wunsch nach dauerhafter PTA-Vertretung

Der Förderverein sei nur Plan B gewesen, sagt Muchenberger, denn der Ortsvorstand hatte eigentlich eine Apotheke im Visier, die von einer PTA geführt wird. Dafür habe es bereits einen Inhaber gegeben, der den Betrieb unter dieser Voraussetzung übernommen hätte. Doch die am Ende verabschiedete Möglichkeit einer Vertretung für bis zu 20 Tage im Jahr, jedoch nicht länger als an zehn zusammenhängenden Tagen, habe einen Strich durch die Rechnung gemacht.

„Die von einer PTA geführte Apotheke wäre ein großer Wurf gewesen“, sagt der Bürgermeister. „Ich weiß, dass auch in anderen Orten einige gespannt auf diese Regelung gewartet haben.“ Immerhin verändere dies die Kostenstruktur einer Apotheke deutlich. „Aber eine Vertretung von maximal 20 Tagen im Jahr hilft nur, wenn ein Apotheker da ist – es ist keine Hilfe für unsere Situation.“

Schließung für Jahresende anvisiert

Aktuell stemmt Haag den Betrieb mit einer Apothekerin und drei PKA weiter. Die Approbierte sei eine Freundin und genauso alt. Eine PTA helfe immer mal wieder mit. Das Team sei toll und würde weitermachen. Wenn sich auch mit dem Förderverein keine Interessentin oder kein Interessent findet, will die Inhaberin die Schließung zum Jahresende einleiten und in den Ruhestand gehen. Die Arbeit werde immer mehr: „Im September hatte ich drei Notdienste, das ist zu viel.“

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